
Nach 33 Jahren (1993-2026) unermütlichen Einsatzes für die Stiftung verlässt Pfarrerin i.R. Helga Feige den Stiftungsrat.
Wir sind sehr dankbar für ihr treues Engagement über so viele Jahre! Sie selbst erinnert sich, wie alles anfing und sich dann entwickelt hat:
Das war eine aufregende Fahrt am frühen Morgen des 30. März 1993 von Sachsen in den für uns neu zugänglichen Teil Deutschlands nach Stadtlauringen.
Im Schloss Craheim fand die Gründungsversammlung der Stiftung Geistliches Leben statt. Zu dieser Zeit war ich Pfarrerin in Wüstenbrand und gehörte zum Limbacher Konvent des Volksmissionskreises Sachsen. In diesem Zusammenhang wurde mir die Frage gestellt, ob ich mir vorstellen kann in der neu zu gründenden Stiftung Geistliches Leben – Initiative zur Förderung der geistlichen Erneuerung der Kirche mitzuarbeiten. Das „Ja“ fiel mir sehr leicht, denn die Erneuerung des geistlichen Lebens der Kirche lag mir sehr am Herzen. Zunächst wurde es ganz „amtlich“, denn es kam Post aus dem Landeskirchenamt mit der offiziellen Anfrage, bald darauf die Einladung von Frau Ingrid Reimer.
Die erste Sitzung mit den künftigen Gremienmitgliedern war überschattet durch den Heimgang des Initiators dieses Stiftungsgedankens, Dr. Hans-Diether Reimer am 18.03.1993. Mit seiner Ehefrau Ingrid hatte er alle Vorbereitungen getroffen, auch die erste Einladung selbst verschickt.
Souverän führte seine Frau Ingrid in der veränderten Situation durch diese Gründungsversammlung. Nun konnten wir nur sein Grab besuchen.
Gemäß dem Stiftungsgedanken setzte sich der erste Stiftungsrat aus kirchen- und gemeindeleitenden Persönlichkeiten zusammen, denn es sollten „Brücken zwischen den verfassten Kirchen und den Glaubensbewegungen mit verschiedenen Frömmigkeitsformen“ geschlagen werden. In idea war dann zu lesen: „Dem zwölf Personen umfassenden Stiftungsrat unter Vorsitz des Leiters der Missionarischen Dienste in der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers, Pastor Helmuth Reske, gehören Probst Heinrich-Nikolaus Caspary, der Baptistenpastor Siegfried Großmann (Seesen), der evangelische Theologieprofessor Gerhard Ruhbach (Bielefeld), die katholische Theologin Mechthild Humpert (Karlsruhe) sowie zwei mitteldeutsche Pfarrer an. Die Geschäftsführerin ist Ingrid Reimer.“
Außerdem wurden zum ersten Stiftungsrat noch Br. Walter Pollmer (Ottmaring), Pfr. Peter Söder, Pastorin Inge Wilckens (Lübeck), Kirchenrat Pfr. Bernhard Wolf, Pfr. Michael Hecker und Pfrn. Helga Feige in einem feierlichen Gottesdienst eingesegnet.
In dieser Sitzung konnte der Stiftungsrat bereits über die ersten Anträge entscheiden. Aus den für 1993 angefallenen Erträgen des bisher vom Förderverein verwalteten Vermögens hat er fast 100.000 DM an verschiedene Projekte, die der Erneuerung der Kirche dienten, vergeben. Dabei handelte es sich in 5 von 6 Fällen um Aktivitäten in den neuen Bundesländern. Jährlich sollten 150.000 DM für die Erfüllung des Stiftungszwecks zur Verfügung stehen. Die Bankenkrise und Zinsniedrigphasen korrigierten das Ergebnis leider sehr nach unten.
In den jährlichen Frühjahrssitzungen wurde es zum Ritual: Anträge sichten, Gespräche führen, beraten und Geld verteilen. Bereichernd waren für mich nicht nur diese sich daraus ergebenden Informationen, sondern auch die geistliche Gemeinschaft und der Austausch mit den Geschwistern im Stiftungsrat. Der eigentliche Höhepunkt im jährlichen Turnus war die Herbsttagung mit thematischem Schwerpunkt, Segnungsgottesdienst, die Vorstellung der Projekte und die Begegnungen mit den Projektverantwortlichen. Erfüllt mit Hoffnung und Freude über das, was Gott in unserem Land tut, fuhr ich jedes Mal nach Hause und konnte es nicht lassen, das Gehörte und Erlebte mit der Gemeinde zu teilen. Letzteres führte einmal zu einer Zustiftung von 45.000 € und in einem Testament ist die Stiftung mit ihrem Anliegen ebenfalls berücksichtigt worden.
Um die Finanzen hat sich 10 Jahre lang Br. Walter Pollmer gekümmert. Nach seinem Ausscheiden 2003 führte Frau Reimer die Finanzverwaltung allein weiter. Da ich in der sächsischen Landessynode und in der VELKD Synode im Finanzausschuss mitgearbeitet habe und danach im Aufsichtsrat der Landeskirchlichen Kreditgenossenschaft, haben wir uns oft über die unterschiedlichen Anlagen ausgetauscht. In den 5. Stiftungsrat wurde 2013 ein Sparkassendirektor a.D. gewählt. Es war geplant, dass er die Finanzverwaltung übernimmt, und ging mit Frau Reimer gleich ans Werk. Leider verstarb Herr Karl Pfifferling unerwartet 2017.
Ebenso musste die Frühjahrssitzung 2017 erstmals ohne Frau Reimer stattfinden, da sie kurz davor einen Autounfall hatte und im Krankenhaus lag. Leider hat sie sich davon nie wieder richtig erholt.
Frau Reimer hatte schon längere Zeit nach einer Nachfolge in der Geschäftsführung Ausschau gehalten. In dieser Frühjahrssitzung beschlossen wir im Stiftungsrat, Geschäftsführung und Finanzverwaltung zu teilen. Frau Brigitte Horneber übernahm die Geschäftsführung und ich die Finanzverwaltung, da ich mittlerweile im Ruhestand war. Wir sprangen beide ins „kalte Wasser“, sichteten alle Unterlagen, archivierten und teilten die aktuellen Papiere in beide Geschäftsbereiche auf. Die Stiftungsaufsicht in Ansbach stand uns bei diesem Neustart hilfreich zur Seite. So schlimm, wie dieser unvorbereitete Wechsel war, so offensichtlich erlebten wir auch, wie Gott segnend seine Hand über die Stiftung gehalten hat. Z.B. hatte die Stiftung durch Veränderungen der Bankenlandschaft schon 2010 zur Bank für Kirche und Diakonie in Dortmund gewechselt, ich bekam damals die Bankvollmacht und Zugang zu allen Konten, so konnte 2017 alles nahtlos weitergehen.
Im Gottesdienst zur Herbsttagung 2017 wurden alle für ihre neuen Aufgaben eingesegnet. Ich bekam unter Handauflegung das Segnungswort aus Psalm 23,5b „Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein“ – das berührte mich tief und voller Freude, denn 24 Jahre zuvor war mein Segenswort zum Stiftungsbeginn: „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.“, Teil 1 von Psalm 23,5. Beide Segenworte waren für mich sehr hilfreiche Freundlichkeiten unseres Gottes, die nun rückblickend mit vielen unterschiedlichen Ereignissen gefüllt sind. Ich schaue voller Dankbarkeit zurück auf wertvolle Begegnungen mit Geschwistern aus dem ganzen Land und die gute Gemeinschaft mit insgesamt 35 Stiftungsräten.
Mittlerweile ist der 7. Stiftungsrat am Wirken, die nächste Generation ist nachgerückt und muss es nun richten. Claus Lewerenz hat dankenswerterweise die Geschäftsführung übernommen und Bertram Harendt mit Freude und Begeisterung die Finanzverwaltung.
Ich wünsche allen von ganzem Herzen Gottes reichen Segen und sage nach 33 Jahren „Auf Wiedersehen“.
Eure Helga Feige, Pfrn.i.R.
Chemnitz , im Mai 2026